17. September 202613 Min LesezeitWoelfer Real Estate
Kernaussagen
- Off-Market ist kein Nischenmarkt: Laut der Off-Market-Studie von HPBA und bulwiengesa umfasst das Segment in Deutschland 40 bis 70 Mrd. Euro pro Jahr. Wohnimmobilien machen mit 45,9 % den größten Anteil der Off-Market-Käufe aus.
- Der Hauptgrund ist Sicherheit, nicht der Preis: 61 % der befragten Profis berichten off-market von einer positiven Erfolgsquote, on-market nur rund 29 %. Einen systematischen Preisabschlag belegen die Daten nicht.
- Der Marktzyklus spricht derzeit für diskrete Prozesse: In Phasen mit weniger Bietern und längeren Verfahren gewinnt Abwicklungssicherheit an Wert.
- Die Käuferstruktur verschiebt sich: Bei Wohn- und Geschäftshäusern, wo private und semi-institutionelle Käufer dominieren, stieg das Volumen 2025 um 13 %, im institutionellen Segment fiel es um 14 %.
- Der Marktpreis lässt sich auch ohne Inserat sichern: mit einer belastbaren Bewertung, mehreren vorgeprüften Käufern und klaren Fristen.
- Unsere Einschätzung: Im aktuellen Umfeld steigender Zinsen ist Abwicklungssicherheit mehr wert als maximale Reichweite. Für klassische vermietete Mehrfamilienhäuser empfehlen wir in der Regel einen diskreten, strukturierten Prozess mit drei bis fünf vorgeprüften Käufern.
40 bis 70 Mrd. €
jährliches Off-Market-Volumen in Deutschland
HPBA / bulwiengesa
61 % zu 29 %
Anteil der Profis mit positiver Erfolgsquote, off-market gegenüber on-market
HPBA / bulwiengesa
+13 %
Volumen bei Wohn- und Geschäftshäusern 2025, getragen von privaten und semi-institutionellen Käufern
Colliers
1. Was „Off-Market“ eigentlich bedeutet
Off-Market heißt: Die Immobilie wird nicht öffentlich inseriert, sondern gezielt ausgewählten Käufern angeboten. Das Spektrum reicht vom Verkauf an einen einzigen, vorab geprüften Investor bis zum strukturierten Verfahren mit einer Handvoll Bieter. Gemeinsam ist allen Varianten, dass der Verkäufer kontrolliert, wer von dem Objekt erfährt.
Das ist mehr als eine Frage der Diskretion. Der Verkäufer entscheidet auch, welche Unterlagen wann an wen gehen, wie lange Angebote gelten und welche Käufer überhaupt zugelassen werden. Genau darin liegt der Unterschied zur Vermarktung über Portale, bei der jeder Interessent anfragen kann.
2. Wie groß der Off-Market-Markt ist
Wie viele Immobilien diskret den Eigentümer wechseln, lässt sich naturgemäß schwer messen. Die belastbarste Erhebung für Deutschland ist die Off-Market-Studie des Beraters HPBA, erstellt mit dem Analysehaus bulwiengesa auf Basis einer anonymen Befragung von 100 Marktakteuren mit zusammen knapp 490 Mrd. Euro verwaltetem Vermögen. Sie schätzt das Segment auf 40 bis 70 Mrd. Euro pro Jahr. Die Studie stammt von 2022 und ist die jüngste ihrer Art.
Zur Einordnung: Die bekannten Marktberichte der großen Maklerhäuser erfassen vor allem institutionelle Transaktionen. Im Bezugsjahr 2020 standen laut Studie 81,5 Mrd. Euro im institutionellen Markt einem amtlich erfassten Gesamtumsatz von 310,4 Mrd. Euro gegenüber. Ein großer Teil des Marktes findet also außerhalb der öffentlich berichteten Statistiken statt.
Wohnimmobilien sind der Kern dieses Marktes. Auf Käuferseite entfielen 45,9 % der Off-Market-Transaktionen der Befragten auf Wohnen, gefolgt von Büro mit 29,6 % und Logistik mit 11,2 %. Die meisten Befragten erwarben zwischen einem Viertel und der Hälfte ihrer Objekte off-market. Der Wohninvestor Empira schätzt den Off-Market-Anteil im Wohnsegment auf rund 50 %, der Asset Manager KGAL kauft nach eigener Aussage „etwa acht von zehn Wohnobjekten mittels Off-Market-Strukturen“.
3. Warum Profis diskret kaufen
Die Studie kommt zu einem klaren Ergebnis: Off-Market-Deals sind „nicht primär durch den Kaufpreis motiviert, sondern eher durch andere Faktoren wie die Abwicklungssicherheit“. Die Zahlen stützen das. 61 % der Befragten berichten off-market von einer positiven Erfolgsquote, bei der mehr als jede zweite Transaktion abgeschlossen wird. On-market sind es rund 29 %.
- Abwicklungssicherheit: Empira nennt für eigene Off-Market-Prozesse eine Transaktionssicherheit von 70 bis 80 %.
- Geringerer Aufwand: Ein Käufer im Gespräch mit den Studienautoren nennt den geringeren Aufwand und die höhere Transaktionssicherheit als die beiden wichtigsten Vorteile.
- Terminliche Flexibilität: KGAL betont, dass Bieterverfahren feste Zeitpläne vorgeben, während diskrete Prozesse sich an den Bedürfnissen beider Seiten ausrichten lassen.
- Geschwindigkeit: Käufer, die mit Eigenkapital finanzieren, sind nicht von Finanzierungsvorbehalten abhängig und können entsprechend schneller entscheiden.
Beim Preis ist das Bild offen. 26,8 % der Befragten erwarten keinen Preisunterschied zwischen Off- und On-Market-Verkäufen, die übrigen Antworten verteilen sich auf höhere und niedrigere Preise. Ein Käufer formuliert es so: Einen niedrigeren Preis erwarte man nicht unbedingt, denn Verkäufer wendeten sich direkt an ihn, „weil sie genau wissen, welche Preise sie erzielen können“. Genau das ist die Voraussetzung für einen guten diskreten Verkauf: Der Verkäufer muss den Wert seiner Immobilie kennen.
4. Der Marktzyklus entscheidet mit
Wann Off-Market seine Stärken ausspielt, hängt auch von der Marktphase ab. Der Bewerter und Investmentberater Sascha Hettrich beschreibt in der Studie den Zusammenhang: Je mehr Nachfrage und Transparenz, desto weniger Off-Market-Deals. In Phasen hoher Nachfrage wollen Verkäufer meist an den Höchstbietenden im Wettbewerb verkaufen.
Der aktuelle Markt ist kein solcher Verkäufermarkt. Der Immobilienmarktbericht Ruhr beschreibt für das erste Halbjahr 2026, dass sich Transaktionsprozesse im zweiten Quartal wegen geopolitischer Unsicherheiten und veränderter Erwartungen an die Finanzierungskosten teilweise verlängert haben und Investitionsentscheidungen sorgfältiger abgewogen wurden. Zugleich finden Käufer und Verkäufer wieder häufiger zusammen, sobald sich ihre Preisvorstellungen annähern. Im gewerblichen Investmentmarkt des Ruhrgebiets hat sich das Volumen im ersten Halbjahr 2026 mit rund 756 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum (398 Mio. Euro) nahezu verdoppelt.
Seit September 2026 kommt ein weiterer Faktor hinzu: Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Wenn Finanzierungen teurer und Entscheidungen vorsichtiger werden, ist ein offenes Bieterverfahren kein Selbstläufer. Wenige, gut vorbereitete und geprüfte Käufer sind dann oft wertvoller als viele unverbindliche Anfragen.
5. Der Wohninvestmentmarkt 2026 in Zahlen
Für das Umfeld lohnt der Blick auf die großen Analysehäuser. Ihre Zahlen unterscheiden sich, weil jedes Haus andere Mindestgrößen für Transaktionen ansetzt. Die Richtung ist aber eindeutig: Der Markt für Wohninvestments ist stabil.
Analysehaus
BNP Paribas Real Estate
- Volumen H1 2026
- rund 4,4 Mrd. €
- Zum Vorjahr
- −3 %
- Anmerkung
- Portfolios ab 30 Einheiten
Analysehaus
JLL
- Volumen H1 2026
- 4,3 Mrd. €
- Zum Vorjahr
- rund −2 %
- Anmerkung
- 129 Deals, 29.500 Einheiten
Analysehaus
Colliers
- Volumen H1 2026
- 4,2 Mrd. €
- Zum Vorjahr
- k. A.
Analysehaus
Savills
- Volumen H1 2026
- rund 3,8 Mrd. €
- Zum Vorjahr
- k. A.
Analysehaus
CBRE
- Volumen H1 2026
- 3,6 Mrd. €
- Zum Vorjahr
- −10 %
- Anmerkung
- 97 Deals
| Analysehaus | Volumen H1 2026 | Zum Vorjahr | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| BNP Paribas Real Estate | rund 4,4 Mrd. € | −3 % | Portfolios ab 30 Einheiten |
| JLL | 4,3 Mrd. € | rund −2 % | 129 Deals, 29.500 Einheiten |
| Colliers | 4,2 Mrd. € | k. A. | |
| Savills | rund 3,8 Mrd. € | k. A. | |
| CBRE | 3,6 Mrd. € | −10 % | 97 Deals |
Quellen: BNP Paribas Real Estate und JLL, Pressemitteilungen vom 06.07.2026 (JLL-Veränderung eigene Berechnung aus 4,3 gegenüber 4,4 Mrd. €); CBRE, Savills und Colliers zitiert nach Haufe, Juli 2026. Die Abgrenzungen der Häuser unterscheiden sich.
Aus den JLL-Zahlen ergibt sich eine durchschnittliche Transaktionsgröße von rund 33 Mio. Euro und ein Durchschnittspreis von rund 146.000 Euro je Wohnung (eigene Berechnung). Diese Statistiken bilden also vor allem große Portfolios ab. Der Markt für einzelne Mehrfamilienhäuser, in dem die meisten Eigentümer verkaufen, ist darin kaum enthalten.
Genau dort ist die Dynamik am größten. Colliers teilt den gesamten Wohnimmobilienmarkt 2025 in zwei Segmente: Bei Wohn- und Geschäftshäusern, wo semi-institutionelle und private Käufer dominieren, stieg das Volumen um 13 % auf 35,5 Mrd. Euro. Das institutionelle Segment ging dagegen um 14 % auf 9,1 Mrd. Euro zurück. Engel & Völkers zählt für 2025 rund 38.000 Transaktionen mit Wohn- und Geschäftshäusern, 10 % mehr als im Vorjahr, bei einer durchschnittlichen Bruttomietrendite von 5,4 % und 4,1 % in den A-Städten.
Diese Käufer findet man selten über Portale. Private Investoren, Family Offices und mittelständische Bestandshalter kaufen bevorzugt über persönliche Kontakte, und genau dort setzt ein diskreter Vertrieb an.
6. Kosten und rechtlicher Rahmen
Unabhängig vom Vertriebsweg gelten dieselben Regeln. In NRW fällt beim Kauf eines Grundstücks Grunderwerbsteuer von 6,5 % an. Bei einem Kaufpreis von 2 Mio. Euro sind das 130.000 Euro, hinzu kommen Notar- und Grundbuchkosten. Die gesetzliche Teilung der Maklerprovision zwischen Käufer und Verkäufer nach § 656c BGB gilt nur für den Kauf einer Wohnung oder eines Einfamilienhauses durch einen Verbraucher. Bei Mehrfamilienhäusern ist die Provision frei vereinbar. Einen Energieausweis muss der Verkäufer in jedem Fall vorlegen.
Share Deals, also der Verkauf von Gesellschaftsanteilen statt der Immobilie selbst, spielen im professionellen Off-Market-Segment eine große Rolle: Laut Studie waren 57 % der Off-Market-Käufe und -Verkäufe der Befragten Share Deals. Seit dem 1. Juli 2021 fällt Grunderwerbsteuer allerdings bereits an, wenn 90 % statt zuvor 95 % der Anteile übergehen. Für private Eigentümer einzelner Häuser ist der klassische Kauf der Immobilie (Asset Deal) der Regelfall.
7. So läuft ein professioneller diskreter Verkauf ab
- Bewertung und Strategie: Ertragswert auf Basis von Mieten, Kaufpreisfaktoren und Liegenschaftszinsen der Gutachterausschüsse. Daraus folgen Preisziel und Vertriebsweg.
- Unterlagen: Mieterliste, Mietverträge, Nebenkostenabrechnungen, Energieausweis und Grundbuchauszug vollständig aufbereiten, bevor der erste Käufer angesprochen wird.
- Käuferauswahl: Nur Käufer ansprechen, deren Kaufkriterien zum Objekt passen und die Eigenkapital oder Finanzierung nachweisen können.
- Anonymisierte Erstansprache: Kurzprofil ohne Adresse, vollständige Informationen erst nach Vertraulichkeitsvereinbarung.
- Besichtigung und Angebote: Klare Frist für schriftliche Angebote, damit mehrere Käufer parallel und vergleichbar bieten.
- Absichtserklärung und Prüfung: Exklusivität nur befristet und erst nach einem verbindlichen Angebot.
- Kaufvertrag und Notar: Entwurf früh abstimmen, damit zwischen Einigung und Beurkundung keine Zeit verloren geht.
Situation
Mieter oder Umfeld sollen nichts erfahren
- Eher diskret
- ja
Situation
Enger Zeitplan, hohe Abschlusssicherheit gewünscht
- Eher diskret
- ja
Situation
Erbengemeinschaft oder sensible Eigentümerstruktur
- Eher diskret
- ja
Situation
Klassisches vermietetes Mehrfamilienhaus
- Eher diskret
- ja
Situation
Kleines Objekt, das auch Eigennutzer anspricht
- Eher offener Markt
- ja
Situation
Ungewöhnliche Immobilie ohne klare Vergleichswerte
- Eher offener Markt
- ja
Situation
Diskretion spielt keine Rolle, Zeit ist vorhanden
- Eher offener Markt
- ja
| Situation | Eher diskret | Eher offener Markt |
|---|---|---|
| Mieter oder Umfeld sollen nichts erfahren | ja | |
| Enger Zeitplan, hohe Abschlusssicherheit gewünscht | ja | |
| Erbengemeinschaft oder sensible Eigentümerstruktur | ja | |
| Klassisches vermietetes Mehrfamilienhaus | ja | |
| Kleines Objekt, das auch Eigennutzer anspricht | ja | |
| Ungewöhnliche Immobilie ohne klare Vergleichswerte | ja | |
| Diskretion spielt keine Rolle, Zeit ist vorhanden | ja |
Einschätzung Woelfer Real Estate. In der Praxis ist häufig eine Kombination sinnvoll: zuerst die gezielte Ansprache, bei Bedarf danach die breitere Vermarktung.
So sichern Sie den Marktpreis auch ohne öffentliches Inserat
- Unabhängige Bewertung vor der ersten Ansprache
- Kaufpreis gegen die Faktoren des Gutachterausschusses prüfen
- Mehrere vorgeprüfte Käufer parallel ansprechen
- Eigenkapital- oder Finanzierungsnachweis vor der Besichtigung
- Feste Frist für schriftliche Angebote setzen
- Vollständige Unterlagen vor der Ansprache bereithalten
- Exklusivität nur befristet und nach verbindlichem Angebot
- Kaufvertragsentwurf früh mit dem Notar abstimmen
Fazit: Unsere Einschätzung
Off-Market ist für uns kein Dogma, sondern ein Werkzeug. Die Daten zeigen, dass der diskrete Verkauf vor allem Sicherheit bringt: höhere Erfolgsquoten, verlässliche Käufer und planbare Abläufe. Einen Preisabschlag belegen sie nicht. Für viele Eigentümer ist Sicherheit die wichtigere Währung.
Der aktuelle Markt spricht für diskrete, aber strukturierte Prozesse. Die Käufer, die heute aktiv sind, sind überwiegend private und semi-institutionelle Investoren, und diese erreicht man über Beziehungen, nicht über Portale. Gleichzeitig verlängern sich offene Verfahren, wenn steigende Zinsen und Unsicherheit die Entscheidungen bremsen.
Der entscheidende Punkt ist die Preisfindung. Ein diskreter Verkauf funktioniert nur, wenn der Verkäufer seinen Marktwert kennt und mehrere geeignete Käufer parallel bieten. Deshalb beginnen wir jedes Mandat mit einer belastbaren Bewertung und sprechen nur Käufer an, die nachweislich kaufen können. So erhalten unsere Mandanten häufig innerhalb von 24 Stunden ein erstes Angebot und kommen in vier bis sechs Wochen zum Abschluss.
Ob ein Objekt still verkauft wird oder in einen breiteren Prozess geht, entscheiden wir mit dem Eigentümer je nach Immobilie und Situation. Das Ziel ist immer dasselbe: der beste Preis bei der höchsten Sicherheit.
Quellen
- 1.HPBA / bulwiengesa: 4. Off-Market-Studie, März 2022
- 2.JLL: Wohninvestmentmarkt erstes Halbjahr 2026, Pressemitteilung vom 06.07.2026
- 3.BNP Paribas Real Estate: Wohnen stärkste Assetklasse im ersten Halbjahr 2026
- 4.Haufe: Wohnimmobilien-Investmentmarkt Deutschland, Juli 2026 (CBRE, Savills, Colliers)
- 5.Colliers: Wohnungsmarktbericht 2026/2027 (zitiert nach Asset Physics)
- 6.Engel & Völkers: Markt für Wohn- und Geschäftshäuser 2025, Pressemitteilung vom 12.02.2026
- 7.Business Metropole Ruhr / bulwiengesa: Immobilienmarktbericht Ruhr H1 2026
- 8.Europäische Zentralbank: Geldpolitische Beschlüsse vom 10.09.2026
- 9.Land NRW: Gesetz über den Steuersatz der Grunderwerbsteuer
- 10.§ 656c BGB (Teilung der Maklerprovision)
- 11.§ 656b BGB (Anwendungsbereich: Käufer als Verbraucher)
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