Woelfer Real EstateDüsseldorf
Marktanalyse

Mehrfamilienhäuser in NRW 2026: Was Käufer zwischen Düsseldorf und Ruhrgebiet zahlen

Kaufpreisfaktoren, Renditen, Mietpotenziale und Finanzierung in sieben Städten. Ausgewertet aus den amtlichen Grundstücksmarktberichten 2026, mit Rechenbeispielen und klaren Empfehlungen für Eigentümer.

1. Oktober 202615 Min LesezeitWoelfer Real Estate

Kernaussagen

  • Mehr Abschlüsse, stabile Preise: 2025 wechselten in NRW 10.642 Drei- und Mehrfamilienhäuser sowie gemischt genutzte Gebäude den Eigentümer (+13 %). Der Geldumsatz stieg um 21 % auf 8,0 Mrd. Euro, die Preise in den kreisfreien Städten nur um 1 %.
  • Noch unter dem Hoch: Düsseldorfer Renditeobjekte liegen laut Preisindex des Gutachterausschusses rund 16 % unter dem Höchststand von 2022.
  • Große Spreizung: In Düsseldorf zahlen Käufer das 22- bis 23-Fache der Jahresmiete, in Essen, Duisburg und Oberhausen das 15- bis 16,5-Fache. Das entspricht rechnerischen Bruttoanfangsrenditen von rund 4,4 % gegenüber 6,1 bis 6,8 %.
  • Mietpotenzial: Die Angebotsmieten liegen in allen sieben Städten 25 bis 44 % über den Mieten, mit denen Mehrfamilienhäuser 2025 verkauft wurden.
  • Hebel Miete: Ein Euro mehr Miete pro Quadratmeter steigert den Wert eines Hauses mit 600 m² Wohnfläche in Düsseldorf um rund 162.000 Euro, in Duisburg um rund 107.000 Euro.
  • Finanzierung als Prüfstein: Baukredite mit über zehn Jahren Zinsbindung kosteten im August 2026 im Schnitt 4,04 %. Düsseldorf liegt mit einer Nettoanfangsrendite von rund 3,6 % darunter, Essen, Duisburg und Oberhausen liegen mit 4,5 bis 4,8 % darüber.
  • Unsere Einschätzung: Im Basisszenario erwarten wir in den kommenden zwölf Monaten rund 3 % Wertzuwachs, getragen von den Mieten und nicht von den Faktoren. Das Ruhrgebiet bietet derzeit das bessere Verhältnis von Rendite zu Finanzierungskosten, Düsseldorf die höhere Wertstabilität.

10.642

Verkäufe von Mehrfamilienhäusern und gemischt genutzten Gebäuden in NRW 2025 (+13 %)

Grundstücksmarktbericht NRW 2026

8,0 Mrd. €

Geldumsatz in diesem Segment 2025 (+21 %)

Grundstücksmarktbericht NRW 2026

−16 %

Preisniveau Düsseldorfer Renditeobjekte 2025 gegenüber dem Höchststand 2022

Gutachterausschuss Düsseldorf, eigene Berechnung

1. Marktlage: Die Liquidität kehrt zurück

Nach dem Zinsschock der Jahre 2022 und 2023 ist der Markt für Mehrfamilienhäuser in Nordrhein-Westfalen zurück. 2025 registrierten die Gutachterausschüsse 10.642 Verkäufe von Drei- und Mehrfamilienhäusern sowie gemischt genutzten Gebäuden, 13 % mehr als im Vorjahr. Der Geldumsatz stieg um 21 % auf 8,0 Mrd. Euro. Rund ein Drittel aller Verkäufe (3.199) entfiel auf das Ruhrgebiet.

Die Preise ziehen dagegen nur langsam an. In den kreisfreien Städten fielen sie 2023 um 11 % und stiegen 2024 und 2025 um jeweils 1 %. Rechnerisch liegt das Preisniveau damit noch rund 9 % unter dem Stand von 2022. In Düsseldorf ist der Abstand größer: Der Preisindex für Renditeobjekte fiel von 414 Punkten (2022) auf 336 Punkte (2024) und erholte sich 2025 auf 348 Punkte. Bis zum alten Höchststand fehlen damit noch rund 19 %.

Die Ruhrgebietsstädte zeigen ein ruhigeres Bild. Der Dortmunder Index für Mehrfamilienhäuser stieg von 94,3 auf 96,2 Punkte (2020 = 100), Bochum blieb mit 102,1 Punkten praktisch unverändert und meldet 15 % mehr Kauffälle bei 30 % mehr Umsatz. Herne verzeichnete ein Minus von rund 2 %.

Verkäufe von Mehrfamilienhäusern 2025 nach Städten

Stadt

Düsseldorf

Kauffälle
249
Zum Vorjahr
k. A.
Geldumsatz
415,0 Mio. €
Ø je Kauffall
1,67 Mio. €

Stadt

Essen

Kauffälle
590
Zum Vorjahr
+11 %
Geldumsatz
455,1 Mio. €
Ø je Kauffall
0,77 Mio. €

Stadt

Dortmund

Kauffälle
529
Zum Vorjahr
+19 %
Geldumsatz
361,5 Mio. €
Ø je Kauffall
0,68 Mio. €

Stadt

Duisburg

Kauffälle
469
Zum Vorjahr
k. A.
Geldumsatz
200,9 Mio. €
Ø je Kauffall
0,43 Mio. €

Stadt

Oberhausen

Kauffälle
255
Zum Vorjahr
+23 %
Geldumsatz
138,5 Mio. €
Ø je Kauffall
0,54 Mio. €

Stadt

Herne

Kauffälle
178
Zum Vorjahr
+3 %
Geldumsatz
k. A.
Ø je Kauffall
k. A.

Quelle: Grundstücksmarktberichte 2026 der Gutachterausschüsse. Abgrenzungen: Düsseldorf Mehrfamilienhäuser mit weniger als 20 % Gewerbeanteil; Essen Geschosswohnungsbau; Duisburg Drei- und Mehrfamilienhäuser. Veränderung und Durchschnitt je Kauffall: eigene Berechnung.

Auffällig ist die Verschiebung zu kleineren Objekten. In Dortmund stieg die Zahl der Verkäufe um 19 %, der Umsatz sank aber von 408,9 auf 361,5 Mio. Euro. Der durchschnittliche Kaufpreis je Objekt fiel damit von rund 0,92 auf 0,68 Mio. Euro. In Duisburg ging der Umsatz um rund ein Viertel zurück, in Oberhausen stieg er dagegen um 80 %. Das Bild passt zu einem Markt, der von privaten und semi-institutionellen Käufern getragen wird, die vor allem kleinere und mittlere Häuser kaufen.

2. Kaufpreisfaktoren und Renditen im Städtevergleich

Der Kaufpreisfaktor gibt an, das Wievielfache der jährlichen Nettokaltmiete Käufer für ein Objekt bezahlen. Er ist die wichtigste Kennzahl für den Wert eines Mehrfamilienhauses. Die Gutachterausschüsse leiten ihn aus tatsächlich beurkundeten Kaufverträgen ab, nicht aus Angebotspreisen. Sein Kehrwert ist die Bruttoanfangsrendite.

Mehrfamilienhäuser (Gewerbeanteil bis 20 %): Kennzahlen 2025

Stadt

Düsseldorf

Ø Faktor
22,0 bis 23,0
Bruttorendite
4,3 bis 4,5 %
Ø Preis €/m²
2.670
Ø Miete €/m²
10,2
Liegenschaftszins
3,3 %

Stadt

Essen

Ø Faktor
16,5
Bruttorendite
6,1 %
Ø Preis €/m²
1.451
Ø Miete €/m²
7,4
Liegenschaftszins
3,1 %

Stadt

Dortmund

Ø Faktor
14,6 bis 19,6
Bruttorendite
5,1 bis 6,8 %
Ø Preis €/m²
1.432
Ø Miete €/m²
7,1
Liegenschaftszins
2,6 %

Stadt

Bochum

Ø Faktor
14,8 bis 20,2
Bruttorendite
5,0 bis 6,8 %
Ø Preis €/m²
1.245
Ø Miete €/m²
6,5
Liegenschaftszins
3,2 %

Stadt

Duisburg

Ø Faktor
14,8
Bruttorendite
6,8 %
Ø Preis €/m²
1.131
Ø Miete €/m²
6,3
Liegenschaftszins
3,4 %

Stadt

Oberhausen

Ø Faktor
15,1
Bruttorendite
6,6 %
Ø Preis €/m²
1.113
Ø Miete €/m²
5,9
Liegenschaftszins
3,7 %

Stadt

Herne

Ø Faktor
17,1 bis 17,3
Bruttorendite
5,8 %
Ø Preis €/m²
1.060
Ø Miete €/m²
5,7
Liegenschaftszins
2,8 %

Faktoren: Grundstücksmarktberichte 2026 der Gutachterausschüsse; Spannen nach Baujahr (Düsseldorf), Stadtbezirk (Dortmund) und Objektgröße (Bochum), Herne als Regressions-Basiswert zum 01.01.2026. Preis, Miete und Liegenschaftszins: Grundstücksmarktbericht NRW 2026, S. 148 (Herne nur 11 Kauffälle). Bruttorendite als Kehrwert des Faktors: eigene Berechnung.

Der niedrigere Liegenschaftszins ist kein Widerspruch zur Bruttorendite. Er berücksichtigt zusätzlich Bewirtschaftungskosten und die begrenzte Restnutzungsdauer des Gebäudes und ist der Zinssatz, mit dem Gutachter den Ertragswert berechnen.

Der Blick über die Stadtgrenze zeigt, wie stark der Faktor mit der Lage fällt. Der Immobilienverband RDM schätzt für reine Wohnhäuser zum Januar 2026 in Düsseldorf das 23-Fache, in Neuss das 19-Fache, in Ratingen, Mönchengladbach und Viersen das 17-Fache, in Krefeld das 16,5-Fache und im Kreis Mettmann das 14-Fache der Jahresmiete. Für Häuser mit Gewerbeanteil liegen die Werte jeweils deutlich niedriger, in Düsseldorf beim 19-Fachen.

Aufschlussreich ist das Verhältnis von Preis zu Miete. Ein Quadratmeter kostet in Düsseldorf mit 2.670 Euro rund das 2,4-Fache wie in Duisburg (1.131 Euro), die Miete liegt aber nur beim 1,6-Fachen (10,2 gegenüber 6,3 Euro). In Düsseldorf bezahlen Käufer also vor allem Lagequalität und Wertstabilität, im Ruhrgebiet vor allem laufenden Ertrag.

3. Rechenbeispiel: Dasselbe Haus in drei Städten

Was die Faktoren praktisch bedeuten, zeigt ein einfaches Beispiel: ein Mehrfamilienhaus mit 600 m² Wohnfläche, vermietet zur jeweiligen Durchschnittsmiete und bewertet mit dem durchschnittlichen Faktor der Stadt.

Rechenbeispiel: Mehrfamilienhaus mit 600 m² Wohnfläche

Düsseldorf: 10,20 €/m², Jahresmiete 73.440 €, Faktor 22,5
1,65 Mio. €
Essen: 7,40 €/m², Jahresmiete 53.280 €, Faktor 16,5
0,88 Mio. €
Duisburg: 6,30 €/m², Jahresmiete 45.360 €, Faktor 14,8
0,67 Mio. €

Eigene Berechnung mit den Durchschnittswerten der Gutachterausschüsse (Düsseldorf mit dem Mittelwert 22,5). Umgerechnet ergeben sich 2.754, 1.465 und 1.119 €/m². Das liegt sehr nahe an den 2025 tatsächlich gezahlten Durchschnittspreisen von 2.670, 1.451 und 1.131 €/m². Kein Ersatz für eine Bewertung des Einzelobjekts.

Dasselbe Haus ist in Düsseldorf also rund 2,5-mal so viel wert wie in Duisburg. Dass das einfache Modell die tatsächlich gezahlten Quadratmeterpreise fast exakt trifft, zeigt, wie stark der Markt in diesem Segment über Miete und Faktor bewertet wird. Für Eigentümer heißt das: Wer seine Miete und den marktüblichen Faktor kennt, kennt die Größenordnung seines Verkaufspreises.

4. Mietpotenzial: Wo der Wert entsteht

Die größte Stellschraube für den Wert eines Mehrfamilienhauses ist die Miete. Ein Vergleich zeigt, wie viel Potenzial in den Beständen steckt: Die Häuser, die 2025 verkauft wurden, waren im Schnitt deutlich unter dem heutigen Neuvermietungsniveau vermietet.

Miete in verkauften Häusern gegenüber Angebotsmiete, in €/m²

Stadt

Oberhausen

Ø Miete verkaufter Häuser 2025
5,90
Angebotsmiete Q2 2026
8,47
Abstand
+44 %

Stadt

Bochum

Ø Miete verkaufter Häuser 2025
6,50
Angebotsmiete Q2 2026
8,73
Abstand
+34 %

Stadt

Herne

Ø Miete verkaufter Häuser 2025
5,70
Angebotsmiete Q2 2026
7,60
Abstand
+33 %

Stadt

Duisburg

Ø Miete verkaufter Häuser 2025
6,30
Angebotsmiete Q2 2026
8,24
Abstand
+31 %

Stadt

Düsseldorf

Ø Miete verkaufter Häuser 2025
10,20
Angebotsmiete Q2 2026
13,02
Abstand
+28 %

Stadt

Essen

Ø Miete verkaufter Häuser 2025
7,40
Angebotsmiete Q2 2026
9,22
Abstand
+25 %

Stadt

Dortmund

Ø Miete verkaufter Häuser 2025
7,10
Angebotsmiete Q2 2026
8,84
Abstand
+25 %

Quellen: Grundstücksmarktbericht NRW 2026, S. 148 (Durchschnittsmiete in den ausgewerteten Kauffällen); ImmoScout24, durchschnittliche Angebotsmieten aus Inseraten Q2 2026, einschließlich Neubau. Abstand: eigene Berechnung. Angebotsmieten sind kein amtlicher Mietspiegel.

Der Abstand ist nicht vollständig realisierbar. Angebotsmieten enthalten Neubau und modernisierte Wohnungen, und in bestehenden Mietverhältnissen begrenzt das Mietrecht die Erhöhungen. Er zeigt aber, wo bei jeder Neuvermietung Wert entsteht. Besonders groß ist er in Oberhausen, Bochum, Herne und Duisburg, also genau dort, wo die Faktoren am niedrigsten sind. Für renditeorientierte Käufer ist das der Kern ihrer Kalkulation.

Was 1 Euro mehr Miete pro Quadratmeter wert ist

Mehrmiete bei 600 m² Wohnfläche pro Jahr
7.200 €
Wertzuwachs in Düsseldorf (Faktor 22,5)
+162.000 €
Wertzuwachs in Essen (Faktor 16,5)
+118.800 €
Wertzuwachs in Duisburg (Faktor 14,8)
+106.560 €

Eigene Berechnung bei unverändertem Kaufpreisfaktor. Jeder Euro Jahresmiete wird beim Verkauf mit dem Faktor multipliziert.

Wie schnell sich der Abstand schließen lässt, hängt auch von der Stadt ab. Nach der Mieterschutzverordnung NRW gelten in Düsseldorf und Dortmund die Mietpreisbremse (bis Ende 2029) und eine abgesenkte Kappungsgrenze von 15 % für Mieterhöhungen innerhalb von drei Jahren (bis Februar 2030). In Essen, Duisburg, Bochum, Herne und Oberhausen gelten diese Verschärfungen nicht, dort greift die allgemeine Kappungsgrenze von 20 %. Dieser Unterschied wird in Kalkulationen oft übersehen: In den nicht regulierten Ruhrgebietsstädten lässt sich das Mietpotenzial schneller heben.

5. Werttreiber auf Objektebene

Die Durchschnittswerte verdecken, wie stark der Preis vom einzelnen Haus abhängt. Die Marktberichte belegen fünf Faktoren, die für Verkäufer besonders relevant sind:

  • Größe: In Bochum erzielten Häuser mit drei bis vier Einheiten im Schnitt das 20,2-Fache der Jahresmiete, Häuser mit fünf bis sieben Einheiten das 16,1-Fache und größere Häuser das 14,8-Fache. Kleinere Objekte sprechen einen deutlich größeren Käuferkreis an.
  • Lage innerhalb der Stadt: In Dortmund reicht die Spanne vom 14,6-Fachen in der Innenstadt-Nord bis zum 19,6-Fachen im Stadtbezirk Süd. Der Gutachterausschuss Düsseldorf setzt für gute Lagen einen um bis zu 21 % und für sehr gute Lagen einen um bis zu 35 % niedrigeren Liegenschaftszins an als für mittlere Lagen. Ein niedrigerer Zins bedeutet einen höheren Wert.
  • Gewerbeanteil: In Düsseldorf liegen Häuser mit 35 bis 45 % Gewerbeanteil beim 18,8- bis 20,6-Fachen statt beim 22- bis 23-Fachen, in Oberhausen beim 13,5- statt beim 15,1-Fachen. In Bochum fällt der Faktor bei mehr als 50 % Gewerbe auf das 12,8-Fache.
  • Gebäudetyp: Düsseldorfer Dreifamilienhäuser erzielten das 26,5- bis 28,8-Fache der Jahresmiete und damit deutlich mehr als größere Mehrfamilienhäuser, weil sie auch für Eigennutzer interessant sind. Die Stichproben sind mit 8 und 11 Verkäufen allerdings klein.
  • Restnutzungsdauer: Die verkauften Häuser hatten im Schnitt eine wirtschaftliche Restnutzungsdauer von 22 Jahren in Dortmund bis 37 Jahren in Oberhausen. Modernisierungen verlängern sie und wirken direkt auf den Ertragswert.

Zwei Häuser in derselben Stadt können sich im Faktor also stärker unterscheiden als die Durchschnitte zweier Städte. Die Preisfindung muss deshalb beim Objekt ansetzen, nicht beim Stadtdurchschnitt.

6. Rendite und Finanzierung: Wann Fremdkapital hilft

Die Bruttorendite sagt noch nichts darüber, was beim Eigentümer ankommt. Zieht man die Bewirtschaftungskosten ab, die die Gutachterausschüsse für jede Stadt ausweisen, ergibt sich eine Nettoanfangsrendite. Sie ist die Größe, die Käufer mit ihren Finanzierungskosten vergleichen.

Von der Brutto- zur Nettoanfangsrendite (Näherung)

Stadt

Düsseldorf

Bruttorendite
4,4 %
Bewirtschaftungskosten
19,2 %
Nettoanfangsrendite
3,6 %

Stadt

Essen

Bruttorendite
6,1 %
Bewirtschaftungskosten
25,3 %
Nettoanfangsrendite
4,5 %

Stadt

Duisburg

Bruttorendite
6,8 %
Bewirtschaftungskosten
28,7 %
Nettoanfangsrendite
4,8 %

Stadt

Oberhausen

Bruttorendite
6,6 %
Bewirtschaftungskosten
30,4 %
Nettoanfangsrendite
4,6 %

Stadt

Herne

Bruttorendite
5,8 %
Bewirtschaftungskosten
30,5 %
Nettoanfangsrendite
4,0 %

Eigene Berechnung. Bruttorendite als Kehrwert der Faktoren (Düsseldorf Mittelwert 22,5, Herne 17,2); Bewirtschaftungskosten in % des Rohertrags laut Grundstücksmarktbericht NRW 2026, S. 148. Vor Grunderwerbsteuer, Erwerbsnebenkosten und Steuern.

Die Finanzierung ist zuletzt wieder teurer geworden. Laut Bundesbank lag der effektive Zinssatz für neue Wohnungsbaukredite mit über zehn Jahren Zinsbindung im August 2026 bei 4,04 %, nach 3,73 % ein Jahr zuvor. Der Vermittler Interhyp nannte Ende September 2026 für zehn Jahre Zinsbindung 4,23 %. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag Anfang Oktober bei rund 3,45 %, und die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen im September 2026 um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der Einlagesatz liegt seit dem 16. September bei 2,50 %.

Der Vergleich mit den Nettoanfangsrenditen ist aufschlussreich. In Düsseldorf liegt die Rendite mit rund 3,6 % unter den Finanzierungskosten. Jeder fremdfinanzierte Euro senkt hier die Rendite auf das Eigenkapital. Käufer in Düsseldorf sind deshalb überwiegend eigenkapitalstark und setzen auf Wertstabilität und steigende Mieten. In Essen, Duisburg und Oberhausen liegt die Nettoanfangsrendite mit 4,5 bis 4,8 % dagegen über dem Kreditzins, und Fremdkapital kann die Eigenkapitalrendite noch steigern, wenn auch mit geringem Abstand. Das erklärt, warum finanzierte und renditeorientierte Käufer derzeit verstärkt ins Ruhrgebiet schauen. Die Rechnung berücksichtigt weder Tilgung noch Erwerbsnebenkosten, zeigt aber die Größenordnung.

7. Angebot: Es wird zu wenig gebaut

Auf der Angebotsseite verschärft sich die Knappheit. Laut IT.NRW wurden 2025 in Nordrhein-Westfalen nur 37.185 Wohnungen fertiggestellt, 9,4 % weniger als im Vorjahr und so wenige wie seit 2011 nicht mehr. Nach der Wohnungsmarktprognose im Auftrag des Landes werden bis 2040 im Schnitt rund 46.000 Wohnungen pro Jahr benötigt. Die Baugenehmigungen stiegen 2025 zwar um 10,7 % auf 44.905 Wohnungen, im ersten Halbjahr 2026 lagen sie mit 20.191 aber wieder leicht unter dem Vorjahr. Bei Mehrfamilienhäusern mit drei und mehr Wohnungen fielen sie um 11 % auf 10.938, den niedrigsten Stand seit 13 Jahren.

Für Bestandshalter ist das ein struktureller Rückenwind. Solange deutlich weniger Wohnungen fertig werden als benötigt, bleibt der Druck auf die Mieten hoch, und vermietete Bestandsobjekte profitieren davon.

8. Ausblick: Was wir für die kommenden zwölf Monate erwarten

Einflussfaktoren auf die Werte von Mehrfamilienhäusern

Faktor

Mieten

Entwicklung
Angebotsmieten steigen in allen betrachteten Städten um 2,4 bis 4,8 % pro Jahr
Wirkung auf Werte
positiv

Faktor

Neubau

Entwicklung
Fertigstellungen 2025 auf dem tiefsten Stand seit 2011, deutlich unter dem Bedarf
Wirkung auf Werte
positiv für den Bestand

Faktor

Finanzierung

Entwicklung
Bauzinsen um 4 %, EZB hat im September 2026 angehoben
Wirkung auf Werte
dämpfend

Faktor

Regulierung

Entwicklung
Mietpreisbremse und Kappungsgrenze von 15 % in Düsseldorf und Dortmund
Wirkung auf Werte
dämpfend in regulierten Städten

Faktor

Käuferstruktur

Entwicklung
Private und semi-institutionelle Käufer aktiv, vor allem bei kleineren Objekten
Wirkung auf Werte
stützend

Einschätzung Woelfer Real Estate auf Basis der in diesem Beitrag genannten Quellen.

Aus diesen Faktoren leiten wir drei Szenarien für die Wertentwicklung vermieteter Mehrfamilienhäuser in den kommenden zwölf Monaten ab. Der Wert ergibt sich dabei aus Miete mal Faktor: Steigt die Miete um 3 % bei unverändertem Faktor, steigt auch der Wert um 3 %.

Szenarien von Woelfer Real Estate: Wertentwicklung in zwölf Monaten

Szenario

Basisszenario (unsere Erwartung)

Annahmen
Mieten +3 %, Faktoren stabil, Bauzinsen um 4 %
Düsseldorf
+3 %
Ruhrgebiet
+3 %

Szenario

Positivszenario

Annahmen
Mieten +4 %, Faktoren +0,5, sinkende Zinsen
Düsseldorf
+6 %
Ruhrgebiet
+7 %

Szenario

Negativszenario

Annahmen
Mieten +2 %, Faktoren −1,0 (Düsseldorf) bzw. −0,5 (Ruhrgebiet), weitere Zinserhöhungen
Düsseldorf
−3 %
Ruhrgebiet
−1 %

Einschätzung und Berechnung Woelfer Real Estate. Ausgangsfaktoren 22,5 für Düsseldorf und 15,5 für das Ruhrgebiet (Durchschnitt aus Essen, Duisburg und Oberhausen). Keine Garantie für die tatsächliche Entwicklung.

Bemerkenswert ist die Asymmetrie: Düsseldorf reagiert wegen seiner niedrigen Rendite stärker auf Zinsänderungen und trägt im Negativszenario das größere Risiko. Das Ruhrgebiet ist mit seinen höheren Renditen besser gegen steigende Zinsen gepuffert. Für risikobewusste, renditeorientierte Investoren spricht das derzeit eher für das Ruhrgebiet, für Käufer mit Fokus auf langfristige Wertstabilität weiterhin für Düsseldorf.

Unsere Einschätzung nach Städten

Stadt

Düsseldorf

Für Verkäufer
Gutes Umfeld, kein Zeitdruck
Für Käufer
Nur mit hohem Eigenkapital
Begründung
Höchste Faktoren der Region, Rendite unter Kreditzins, Aufholpotenzial zum Hoch von 2022

Stadt

Essen

Für Verkäufer
Gutes Umfeld
Für Käufer
Attraktiv
Begründung
Hohe Liquidität mit 590 Verkäufen, Rendite über Kreditzins, keine Mietpreisbremse

Stadt

Dortmund

Für Verkäufer
Lage entscheidet
Für Käufer
Selektiv
Begründung
Große Spreizung nach Stadtbezirk, Mietpreisbremse gilt

Stadt

Bochum

Für Verkäufer
Kleine Häuser sehr gefragt
Für Käufer
Attraktiv
Begründung
Faktor 20,2 bei drei bis vier Einheiten, Mietabstand 34 %

Stadt

Duisburg

Für Verkäufer
Mietpotenzial belegen
Für Käufer
Chancen mit Konzept
Begründung
Höchste Bruttorendite, Umsatz zuletzt rückläufig

Stadt

Oberhausen

Für Verkäufer
Gutes Momentum
Für Käufer
Chancen mit Konzept
Begründung
Umsatz +80 %, größter Mietabstand mit 44 %

Stadt

Herne

Für Verkäufer
Geringe Liquidität
Für Käufer
Nur mit klarem Konzept
Begründung
Wenige Kauffälle, Preise zuletzt leicht rückläufig

Einschätzung Woelfer Real Estate auf Basis der in diesem Beitrag ausgewerteten Daten.

Diese Unterlagen erwarten Käufer eines Mehrfamilienhauses

  • Aktuelle Mieterliste mit Fläche, Miete, Mietbeginn und Kaution je Einheit
  • Alle Mietverträge einschließlich Nachträgen
  • Nebenkostenabrechnungen der letzten drei Jahre
  • Energieausweis (beim Verkauf gesetzlich vorgeschrieben)
  • Aktueller Grundbuchauszug und Flurkarte
  • Baupläne und Wohnflächenberechnung
  • Auskunft aus dem Baulastenverzeichnis
  • Nachweise über Modernisierungen der letzten Jahre
  • Gebäudeversicherung und laufende Wartungsverträge
  • Bei aufgeteilten Häusern: Teilungserklärung und Protokolle

Fazit: Unsere Einschätzung

Der Markt für Mehrfamilienhäuser in NRW befindet sich aus unserer Sicht in einer Phase der Normalisierung. Die Liquidität ist zurück, die Preise haben die Verluste von 2023 aber noch nicht aufgeholt. Eine breite Preisrallye erwarten wir nicht, denn die wieder steigenden Zinsen bremsen. In unserem Basisszenario rechnen wir mit rund 3 % Wertzuwachs in den kommenden zwölf Monaten, getragen von steigenden Mieten und einem knappen Neubauangebot.

Für Eigentümer in Düsseldorf ist das ein solides Verkaufsumfeld, aber kein Höhepunkt. Wer nicht verkaufen muss, kann von einer weiteren Erholung profitieren. Wer verkaufen will, sollte auf eine saubere Aufbereitung setzen, denn bei Faktoren über 22 zahlen eigenkapitalstarke Käufer vor allem für Qualität und Sicherheit.

Für Eigentümer im Ruhrgebiet ist das Umfeld besser als sein Ruf. Nettoanfangsrenditen von rund 4,5 bis 4,8 % liegen über dem Kreditzins und ziehen renditeorientierte Käufer an, die in Düsseldorf kaum noch vergleichbare Objekte finden. Dazu kommt, dass Essen, Duisburg, Bochum, Herne und Oberhausen nicht unter die Mietpreisbremse fallen. Entscheidend ist, diese Käufer gezielt anzusprechen und das Mietpotenzial nachvollziehbar zu belegen.

Unsere wichtigste Empfehlung: Vor jedem Verkauf die Mieterliste gegen den Markt prüfen. Jeder Euro Miete pro Quadratmeter ist bei einem durchschnittlichen Haus sechsstellig wert, und genau dieser Hebel wird bei der Preisfindung am häufigsten unterschätzt.

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