3. September 202612 Min LesezeitWoelfer Real Estate
Kernaussagen
- Global sinkt die Immobilienquote: Laut UBS Global Family Office Report 2026 fiel sie von 14 % (2019) auf 11 % (2025). Family Offices, die umschichten wollen, planen für 2026 nur noch 8 %.
- Im deutschsprachigen Raum ist das Bild ein anderes: Hier machen Immobilien laut KINGSTONE 56,5 % des Vermögens von Family Offices aus. 81,4 % davon werden direkt gehalten, 88,3 % liegen in Deutschland.
- Deutsche Bestandswohnungen stehen ganz oben auf der Einkaufsliste: 60 % der befragten Family Offices wollen in den kommenden zwölf Monaten hier investieren.
- Vermögenserhalt schlägt Rendite: Knapp 40 % erwarten Ausschüttungsrenditen von 3,0 bis 4,5 %. Das passt zu Düsseldorf, während das Ruhrgebiet die renditestärkeren Family Offices anspricht.
- Am Markt sichtbar: Private Investoren und Family Offices kauften im ersten Quartal 2026 Wohnportfolios für 270 Mio. Euro, deutlich über dem Zehnjahresschnitt von rund 170 Mio. Euro.
- Unsere Einschätzung: Mit steigenden Zinsen gewinnen eigenkapitalstarke Family Offices als Käufer weiter an Bedeutung. Wir erwarten, dass sie ihren Anteil am Wohninvestmentmarkt in den kommenden zwölf Monaten ausbauen.
56,5 %
Anteil von Immobilien am Vermögen von Family Offices im deutschsprachigen Raum
KINGSTONE 2025
60 %
der Family Offices mit deutschen Bestandswohnungen auf der Einkaufsliste
KINGSTONE 2025
270 Mio. €
Käufe von Wohnportfolios durch Privatinvestoren und Family Offices, Q1 2026
BNP Paribas Real Estate
1. Global: Family Offices schichten um
Der UBS Global Family Office Report 2026 beruht auf einer Befragung von 307 Family Offices in über 30 Märkten mit einem durchschnittlichen Vermögen von 2,7 Mrd. US-Dollar. Sein Befund: Immobilien verlieren im globalen Durchschnitt an Gewicht. Gleichzeitig ist die Bereitschaft zur Umschichtung so hoch wie nie. 60 % der Befragten planen Änderungen ihrer strategischen Allokation, in Europa sogar 67 %.
2019
14 %
- 2020
- 13 %
- 2021
- 12 %
- 2022
- 13 %
- 2023
- 10 %
- 2024
- 11 %
- 2025
- 11 %
- 2026 Plan
- 8 %
| 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 Plan |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 14 % | 13 % | 12 % | 13 % | 10 % | 11 % | 11 % | 8 % |
Quelle: UBS Global Family Office Report 2026, S. 17 bis 18. Der Planwert 2026 bezieht sich auf die Family Offices, die Änderungen ihrer Allokation planen.
Regional unterscheiden sich die Quoten deutlich: In den USA liegt der Immobilienanteil bei 20 %, in der Schweiz bei 12 %, in Europa bei 11 %. Bemerkenswert ist, dass Immobilien zugleich der häufigste Ursprung des Familienvermögens sind: 17 % der befragten Family Offices nennen die Immobilienwirtschaft als Branche ihres operativen Kerngeschäfts, vor Konsumgütern (11 %) und Banken (10 %).
Risiko
Großer geopolitischer Konflikt
- Anteil der Nennungen
- 64 %
Risiko
Globaler Handelskrieg
- Anteil der Nennungen
- 49 %
Risiko
Höhere Inflation
- Anteil der Nennungen
- 36 %
Risiko
Schuldenkrise
- Anteil der Nennungen
- 31 %
Risiko
Höhere Zinsen
- Anteil der Nennungen
- 16 %
Risiko
Korrektur am Immobilienmarkt
- Anteil der Nennungen
- 11 %
| Risiko | Anteil der Nennungen |
|---|---|
| Großer geopolitischer Konflikt | 64 % |
| Globaler Handelskrieg | 49 % |
| Höhere Inflation | 36 % |
| Schuldenkrise | 31 % |
| Höhere Zinsen | 16 % |
| Korrektur am Immobilienmarkt | 11 % |
Quelle: UBS Global Family Office Report 2026, S. 11 (Auswahl, Mehrfachnennungen).
Die Tabelle relativiert den Rückgang der Immobilienquote. Nur 11 % sehen eine Korrektur am Immobilienmarkt als eines der größten Risiken der kommenden zwölf Monate, auf Sicht von fünf Jahren sind es 17 %. Die Sorgen der Family Offices gelten vor allem Geopolitik, Handel und Inflation. Gegen Inflation und Unsicherheit sind vermietete Sachwerte traditionell ein Schutz.
2. Deutschsprachiger Raum: Immobilien sind das Rückgrat
Für Family Offices aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeichnet der Family Office Real Estate Report 2025 von KINGSTONE ein anderes Bild. Bei den 32 befragten Häusern, von denen 43,8 % ein Nettovermögen von über 500 Mio. Euro verwalten, machen Immobilien 56,5 % des Vermögens aus, Aktien 19,4 %. KINGSTONE selbst ordnet das so ein: Family Offices investierten „grundlegend anders als klassische institutionelle Investoren“.
Merkmal
Direkt gehaltene Immobilien
- Wert
- 81,4 %
Merkmal
Anteil Deutschland
- Wert
- 88,3 %
Merkmal
Anteil übriges Europa
- Wert
- 5,9 %
Merkmal
Anteil USA und Nordamerika
- Wert
- 5,4 %
Merkmal
Nutzungsart Wohnen
- Wert
- 37,5 %
Merkmal
Nutzungsart Büro
- Wert
- 25,0 %
Merkmal
Wohn- und Geschäftshäuser
- Wert
- 12,8 %
Merkmal
Einzelhandel
- Wert
- 6,3 %
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Direkt gehaltene Immobilien | 81,4 % |
| Anteil Deutschland | 88,3 % |
| Anteil übriges Europa | 5,9 % |
| Anteil USA und Nordamerika | 5,4 % |
| Nutzungsart Wohnen | 37,5 % |
| Nutzungsart Büro | 25,0 % |
| Wohn- und Geschäftshäuser | 12,8 % |
| Einzelhandel | 6,3 % |
Quelle: KINGSTONE Family Office Real Estate Report 2025, Befragung von 32 Family Offices im August und September 2025.
Neben dem Direkterwerb sind Gemeinschaftsinvestments verbreitet: 59,4 % der Befragten investieren in Joint Ventures mit einem anderen Family Office, 40,6 % in Club Deals. Spezialfonds mit institutionellen Investoren sind dagegen wenig gefragt. Für Verkäufer bedeutet das: Auch größere Objekte können an Family Offices gehen, wenn sich mehrere Familien zusammenschließen.
Auch die Pläne weichen vom globalen Trend ab. Die Hälfte der Befragten will den Immobilienbestand in den nächsten zwölf Monaten leicht ausbauen (bis 10 %), 9,4 % planen ein starkes Wachstum, ein Viertel will die Quote halten und nur 15,7 % wollen reduzieren. Deutsche Bestandswohnungen stehen bei 60 % auf der Einkaufsliste, Neubauwohnungen bei 50 %. Die Family-Office-Studie 2026 von Roland Berger bestätigt die zentrale Rolle: 97 % der Befragten halten Immobilien, zuvor waren es 92 %.
3. Was Family Offices beim Ankauf wirklich wollen
Die KINGSTONE-Studie zeigt, nach welchen Kriterien Family Offices entscheiden. Ausschlaggebend sind die Attraktivität der Lage, bereits vorhandene Erfahrung in der Nutzungsart und der Vermögenserhalt. Diese Punkte bewerten die Befragten als bedeutender als die Rendite. Reputation, emotionale und architektonische Aspekte spielen kaum eine Rolle. KINGSTONE fasst zusammen, Family Offices entschieden „sehr rational und zugleich eher konservativ“.
Erwartete Ausschüttungsrendite pro Jahr
3,0 bis 4,5 %
- Anteil der Befragten
- knapp 40 %
Erwartete Ausschüttungsrendite pro Jahr
4,5 bis 6,0 %
- Anteil der Befragten
- 22 %
Erwartete Ausschüttungsrendite pro Jahr
über 6,0 %
- Anteil der Befragten
- 25 %
| Erwartete Ausschüttungsrendite pro Jahr | Anteil der Befragten |
|---|---|
| 3,0 bis 4,5 % | knapp 40 % |
| 4,5 bis 6,0 % | 22 % |
| über 6,0 % | 25 % |
Quelle: KINGSTONE Family Office Real Estate Report 2025.
4. Welche Objekte zu welchem Family Office passen
Legt man die Renditeerwartungen neben die Marktdaten aus NRW, ergibt sich ein klares Bild. Die Nettoanfangsrenditen für Mehrfamilienhäuser haben wir in unserer Analyse der Kaufpreisfaktoren aus den Grundstücksmarktberichten 2026 abgeleitet.
Family-Office-Profil
Vermögenserhalt
- Erwartung
- 3,0 bis 4,5 %
- Passender Markt in NRW
- Düsseldorf
- Nettoanfangsrendite
- rund 3,6 %
Family-Office-Profil
Ausgewogen
- Erwartung
- 4,5 bis 6,0 %
- Passender Markt in NRW
- Essen, Duisburg, Oberhausen
- Nettoanfangsrendite
- rund 4,5 bis 4,8 %
Family-Office-Profil
Renditeorientiert
- Erwartung
- über 6,0 %
- Passender Markt in NRW
- Objekte mit Mietpotenzial oder Modernisierungsbedarf
- Nettoanfangsrendite
- abhängig vom Konzept
| Family-Office-Profil | Erwartung | Passender Markt in NRW | Nettoanfangsrendite |
|---|---|---|---|
| Vermögenserhalt | 3,0 bis 4,5 % | Düsseldorf | rund 3,6 % |
| Ausgewogen | 4,5 bis 6,0 % | Essen, Duisburg, Oberhausen | rund 4,5 bis 4,8 % |
| Renditeorientiert | über 6,0 % | Objekte mit Mietpotenzial oder Modernisierungsbedarf | abhängig vom Konzept |
Eigene Zuordnung auf Basis von KINGSTONE 2025 und eigener Berechnung aus den Grundstücksmarktberichten 2026 (Nettoanfangsrendite vor Erwerbsnebenkosten). Ausschüttungsrendite und Nettoanfangsrendite sind nicht identisch, aber gut vergleichbar.
Für das renditeorientierte Viertel reichen die durchschnittlichen Anfangsrenditen nicht aus. Diese Family Offices suchen Objekte, bei denen sich die Rendite durch Neuvermietung, Modernisierung oder bessere Bewirtschaftung steigern lässt. Genau hier liegt der Mietabstand von 25 bis 44 % zwischen der Miete verkaufter Häuser und den Angebotsmieten, den wir für die sieben Städte gemessen haben. Dazu kommt, dass Essen, Duisburg, Bochum, Herne und Oberhausen nicht unter die Mietpreisbremse fallen.
Wichtig für die Einordnung: Family Offices finanzieren häufig mit hohem Eigenkapitalanteil. Für sie ist der Vergleich mit dem Kreditzins von zuletzt rund 4 % weniger entscheidend als für fremdfinanzierte Käufer. Gerade deshalb können sie in Düsseldorf kaufen, wo die Nettoanfangsrendite unter den Finanzierungskosten liegt.
5. Am Markt sichtbar
Die Transaktionsdaten zeigen, dass Family Offices kaufen. Laut BNP Paribas Real Estate erwarben private Investoren und Family Offices im ersten Quartal 2026 Wohnportfolios ab 30 Einheiten für 270 Mio. Euro. Der Zehnjahresschnitt liegt bei rund 170 Mio. Euro, das Ergebnis lag also rund 60 % darüber. JLL beobachtete bereits 2025, dass Family Offices und private Investoren den aktuellen Marktzyklus „vermehrt für den Erwerb von Core-Immobilien“ nutzten.
Dazu passt die Entwicklung, die Colliers für 2025 beschreibt: Bei Wohn- und Geschäftshäusern, wo private und semi-institutionelle Käufer dominieren, stieg das Volumen um 13 %, im institutionellen Segment fiel es um 14 %. Family Offices gehören zu den Käufern, die den Markt in dieser Phase tragen.
6. Wie man an ein Family Office verkauft
Family Offices unterscheiden sich als Käufer deutlich von Fonds oder Wohnungsgesellschaften. Aus unserer Praxis sind vier Punkte entscheidend:
- Zugang: Family Offices treten selten öffentlich auf und kaufen bevorzugt über persönliche Kontakte. Ein Inserat auf einem Portal erreicht sie kaum.
- Diskretion: Viele Familien legen Wert darauf, dass ihre Käufe nicht öffentlich werden. Ein vertraulicher Prozess ist für sie oft Voraussetzung.
- Entscheidungswege: Entscheidungen fallen häufig in einem kleinen Kreis und mit hohem Eigenkapitalanteil. Das macht Family Offices zu schnellen und verlässlichen Käufern, wenn die Unterlagen stimmen.
- Langfristigkeit: Family Offices kaufen, um zu halten. Sie achten auf Bausubstanz, Mieterstruktur und Lage mehr als auf kurzfristige Renditeoptimierung.
Was ein Family Office vor einem Angebot sehen will
- Vollständige Mieterliste mit Mietentwicklung
- Nachvollziehbare Bewertung mit Vergleichsfaktoren
- Zustand und Modernisierungshistorie des Gebäudes
- Energieausweis und Einschätzung des Sanierungsbedarfs
- Nebenkostenabrechnungen und Bewirtschaftungskosten
- Grundbuchauszug ohne offene Fragen
- Klare Aussage zum Mietpotenzial
- Realistischer Zeitplan bis zur Beurkundung
Fazit: Unsere Einschätzung
Die globale Statistik und der deutsche Markt erzählen zwei verschiedene Geschichten. Weltweit senken Family Offices ihre Immobilienquote, im deutschsprachigen Raum bleiben direkt gehaltene Wohnimmobilien der Kern des Vermögens. Wir sehen darin keinen Widerspruch: Deutsche Family Offices steigen nicht aus, sie kaufen gezielter.
Für Eigentümer von Mehrfamilienhäusern in NRW ist das eine gute Nachricht. Family Offices sind langfristig orientiert, kaufen mit hohem Eigenkapitalanteil und legen Wert auf Abwicklungssicherheit und Diskretion. Ihre Renditeerwartungen decken sich gut mit dem Markt: Düsseldorf für den Vermögenserhalt, das Ruhrgebiet für höhere laufende Erträge. Und weil sie wenig auf Fremdkapital angewiesen sind, bleiben sie auch bei steigenden Zinsen handlungsfähig.
Wer an diese Käufergruppe verkaufen will, braucht zwei Dinge: eine saubere, zahlenbasierte Aufbereitung und den direkten Zugang. Beides lässt sich nicht kurzfristig herstellen, sondern entsteht über Jahre. Genau deshalb arbeiten wir mit einem gewachsenen Netzwerk aus Family Offices und privaten Investoren, das wir für jedes Objekt gezielt ansprechen.
Quellen
- 1.UBS: Global Family Office Report 2026
- 2.UBS: Pressemitteilung zum Global Family Office Report 2026, 28.05.2026
- 3.KINGSTONE: Family Office Real Estate Report 2025
- 4.Roland Berger: Family-Office-Studie 2026 (zitiert nach private banking magazin, 09.07.2026)
- 5.BNP Paribas Real Estate: Assetklasse Wohnen, 1. Quartal 2026
- 6.Deal-Magazin: Wohninvestmentmarkt 2025 (JLL), 12.01.2026
- 7.Colliers: Wohnungsmarktbericht 2026/2027 (zitiert nach Asset Physics)
- 8.Land NRW: Mieterschutzverordnung NRW (MietSchVO NRW)
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Angaben ohne Gewähr.



